Kommentar zum Artikel „Stromnetz auf E-Autos nicht vorbereitet“ vom 24. Januar im Hanauer Anzeiger

In einem Leserbrief in der Ausgabe des Hanauer Anzeigers vom 3. Februar bezieht Dr. Wolfram Maaß,  Sprecher des AfD-Kreisverbandes Stellung zu Aussagen von Hildegard Müller, Vorstand bei innogy SE (vorher RWE International SE) zu einem Artikel in der gleichen Zeitung vom 24. Januar 2018.

Hier der Leserbrief im Wortlauf:

In dem Artikel „Stromnetz auf E-Autos nicht vorbereitet“ vom 24. Januar wird über die Probleme des Stromnetzes berichtet, die bereits entstehen, wenn etwa 30% der PKW mit Elektroantrieb fahren würden.

Die Netz-Chefin des Energieversorgers Innogy, Hildegard Müller, behauptet in dem Artikel allerdings: „Selbst, wenn alle Autos elektrisch angetrieben würden, würde sich der deutsche Stromverbrauch nur um 16% erhöhen.“

Diese Zahl von einer „Expertin“ zu hören, stellt deren Glaubwürdigkeit doch ziemlich infrage. Es lässt sich leicht recherchieren, dass in Deutschland pro Jahr 35,9 Mio t Diesel und 17,1 Mio t Benzin verbraucht werden. Das entspricht einer Energiemenge von ca. 675 TWh (alle Zahlen für 2016). Unter Berücksichtigung der Wirkungsgrade von Diesel- Otto- und PKW-Elektromotoren lässt sich daraus eine zusätzlich benötigte Energiemenge für den von Frau Müller angesprochenen Fall von ca. 240 TWh abschätzen.

Wenn also nur noch elektrisch betriebene Autos in Deutschland fahren würden, wäre diese zusätzliche Strommenge erforderlich. Die gesamte Strommenge, die in Deutschland derzeit pro Jahr verbraucht wird, liegt bei 595 TWh. Der Faktor liegt also nicht bei 16% sondern bei geschätzten 40%.

Deutschland müsste allein für die komplette E-Mobilität seine Stromerzeugung um 40% erhöhen, wenn der jetzige Stromverbrauch zugrunde gelegt wird.

Nimmt man z.B. ein typisches Kernkraftwerk von 1,3 GW Nennleistung als Referenz, müssten knapp 25 derartige Kraftwerke zusätzlich ans Netz gehen, um diesen Bedarf zu decken. Oder als Alternative ca. 44 Kohlekraftwerke der Staudinger Größe.

Die Energiewende – Befürworter möchten diese Strommenge allerdings mittels Windmühlen erzeugen.

Dazu müssten alleine für den Straßenverkehr knapp 90.000 zusätzliche Windräder errichtet werden. Die Betonung liegt auf zusätzlich, da ja auch der übrige Strombedarf „alternativ“ erzeugt werden soll.

Berücksichtigt man nun die z.B. vom Bundesumweltamt geplanten Senkungen des Energieverbrauches bis 2020 bzw. bis 2050, würde nicht 16%, sondern sogar ca. 50% bzw. 80% des in Deutschland verbrauchten Stromes für die E-Mobilität benötigt.

Frau Müller sollte sich genauer informieren, ehe sie solche Zahlen, wie diese 16%, in die Welt setzt. Oder hat sie, wie so viele andere Befürworter der Energiewende, in Wahrheit gar kein Interesse an belastbaren Fakten? So wie der besagte Herrscher, dem ein Berater mit den Naturgesetzen kam und die Antwort kriegte: „Naturgesetze interessieren mich nicht. Hier bestimme ich!“

Dr. Wolfram Maaß
28. Januar 2018